{"id":385,"date":"2006-06-20T20:42:26","date_gmt":"2006-06-20T18:42:26","guid":{"rendered":"http:\/\/57323899.swh.strato-hosting.eu\/15_WP\/?p=385"},"modified":"2026-04-24T11:35:17","modified_gmt":"2026-04-24T09:35:17","slug":"the-return-of-investment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dorisfrohnapfel.de\/?p=385","title":{"rendered":"THE RETURN OF INVESTMENT"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr das Ausstellungsprojekt \u201cThe Return of Investment\u201d im OpenSpace besch\u00e4ftigt sich Doris Frohnapfel mit der Mentalit\u00e4tsgeschichte des Kapitals. W\u00e4hrend sich die K\u00fcnstlerin zuletzt mit Sinnbildern des abstrakten Verh\u00e4ltnisses zwischen Kapital und Ware befasste, wie sie einst im Innenraum oder besser im Innenleben der (New Yorker) B\u00f6rse in Erscheinung traten (Papier, Galerie M29, 2009), wendet sie sich nun der n\u00e4heren Umgebung der Wall Street zu. Frohnapfel legt historisch gewachsene \u201dSchichten\u201c aus dem Zusammenhang von Geld- und Menschenhandel frei. Das perfide Verh\u00e4ltnis von Kapital und K\u00f6rper sowie dessen Verschleierung durch die Abstrakta des modernen Finanzwesens &#8211; zu denken sei z.B. an die Vokabel des \u201dHumankapitals\u201d &#8211; konkretisiert sich in den historischen Schichten vor Ort. So geraten Frohnapfels \u201darch\u00e4ologischen Artefakte\u201d bemerkenswert aktuell. <!--more--><\/p>\n<p>Der Vorhang, ein Wolkenstore oder \u201dTenda Imperiale\u201d (ital.) beginnt mit einem eher erz\u00e4hlerischen Momenten des Projektes. Als Referenz dient eine 60er Jahre Postkarte aus dem Innenraum der New Yorker B\u00f6rse. Die hinter der Zuschauertrib\u00fcne befindlichen Wolkenstores dienten gegen Sonne und Einblick der gro\u00dffl\u00e4chigen Verdunklung der Fenster.<\/p>\n<p>\u201dWelt-Aussenraum des Kapitals\u201d: Modellhaft,fragmentarisch werden in der Arbeit \u201cHuman capital market\u201d Versatzst\u00fccke der Geschichte zusammengef\u00fcgt: der Tisch, 3 feet hoch, hat die H\u00f6he wie sie f\u00fcr Sklavenauktionen in Amerika verwandt wurden. Die aus Edelstahl geschnittenen vier Fassaden des \u201dK\u00e4figs\u201d orientieren sich an vier exemplarischen Fassaden des Menschen- und Kapitalmarktes: der New York Stock Exchange an der Wall Street, der \u201dH\u00fctte\u201d die in New York am East River, Ecke Wall Street als Sklavenmarkt diente, der S\u00e4ulenstruktur einer Sklavenmarkthalle, wie sie in vielen St\u00e4dten Amerikas zu finden waren, und der Struktur der sogenannten \u201dbarraccones\u201d (= Sklavensammel- und Verkaufsh\u00fctten in West-Afrika). Die Stempel hingegen nennen exemplarisch die Adressen solcher Orte in den St\u00e4dten Amerikas.<\/p>\n<p>Die Edelstahlschnitte zeigen modellhaft die Fassaden der B\u00f6rsen in Amsterdam, Frankfurt, Br\u00fcssel, Tokio, Toronto, London und Stockholm, die sich bis in die Gegenwart (Neubau der Londoner B\u00f6rse von 2004) an der griechischen Architektur des Parthenons der Akropolis &#8211; Tempel und Schatzhaus der Athener &#8211; mit S\u00e4ulenstruktur und Tympanon orientieren.<\/p>\n<p>Die dokumentarischen Fotografien, im Werk der K\u00fcnstlerin bereits \u201dGeschichte\u201d, sind w\u00e4hrend eines New York Aufenthalts 1997 recherchiert und zeigen Orte an denen sich die Geschichte New Yorks\/Manhattans schichtet: das Steinrelief auf dem Fahnenmastsockel im Battery Park, der Broadway, ehemals der Indianerpfad Algonquin Trail, und Washington Square, an dem sich die Tabakfelder der Indianer befanden.<\/p>\n<p>Das Modell des Planwagens, ein Sinnbild f\u00fcr die Besiedelung und Besatzung des amerikanischen \u201dWestens\u201d, ist ebenso ein Objekt der Geschichte, das aber auch an den Wagen der \u201dMutter Courage\u201d denken l\u00e4sst. Die Projektion im Planwagen zeigt einen Zusammenschnitt aus historischen Filmaufnahmen aus den 20ger Jahren zur Zeit des bisher vielleicht bekanntesten B\u00f6rsencrashs der Weltgeschichte aus der Wall Street, und einer Patrouille in der W\u00fcste an der syrisch-jordanischen Grenze durch Beduinen.<br \/>\nEinerseits zeigen Frohnapfels Bilder und Objekte einen extremen Kontrast zwischen Stadt und Land, andererseits verweisen sie aber auch auf die N\u00e4he von Menschen- und Rohstoffkapital der Moderne, der Postmoderne und des \u201dEmpire\u201d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr das Ausstellungsprojekt \u201cThe Return of Investment\u201d im OpenSpace besch\u00e4ftigt sich Doris Frohnapfel mit der Mentalit\u00e4tsgeschichte des Kapitals. W\u00e4hrend sich die K\u00fcnstlerin zuletzt mit Sinnbildern des abstrakten Verh\u00e4ltnisses zwischen Kapital und Ware befasste, wie sie einst im Innenraum oder besser im Innenleben der (New Yorker) B\u00f6rse in Erscheinung traten (Papier, Galerie M29, 2009), wendet sie sich nun der n\u00e4heren Umgebung der Wall Street zu. Frohnapfel legt historisch gewachsene \u201dSchichten\u201c aus dem Zusammenhang von Geld- und Menschenhandel frei. Das perfide Verh\u00e4ltnis von Kapital und K\u00f6rper sowie dessen Verschleierung durch die Abstrakta des modernen Finanzwesens &#8211; zu denken sei z.B. an die Vokabel des \u201dHumankapitals\u201d &#8211; konkretisiert sich in den historischen Schichten vor Ort. So geraten Frohnapfels \u201darch\u00e4ologischen Artefakte\u201d bemerkenswert aktuell. 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