{"id":85,"date":"2005-05-17T12:29:22","date_gmt":"2005-05-17T10:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/57323899.swh.strato-hosting.eu\/15_WP\/?p=85"},"modified":"2026-04-22T06:42:12","modified_gmt":"2026-04-22T04:42:12","slug":"border-horizons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dorisfrohnapfel.de\/?p=85","title":{"rendered":"Border Horizons"},"content":{"rendered":"<p>Retour, Reportage<br \/>\nWurde ich gefragt, woran ich gerade arbeite, habe ich das Projekt immer etwas z\u00f6gernd mit &#8222;Europa&#8220; betitelt, und es folgten dann direkt die Einschr\u00e4nkungen, denn was sagt das Wort schon aus \u2013 selbst die m\u00f6gliche Einengung, die &#8222;Grenzen Europas&#8220; brachte nur wieder neue Einschr\u00e4nkungen mit sich. Was ich vorhatte, war fragmentarisch angelegt und ging auf eine subjektive Auswahl zur\u00fcck. Zwischendurch schien mir als Arbeitstitel &#8222;\u00dcbergangsorte in Europa&#8220; geeignet. Da ich aber, nach ein paar Reisen, die Grenzen (fast) nie tats\u00e4chlich \u00fcberschritten habe, sondern immer aus sicherem, wie ich das dann nannte, &#8222;Schengen-Abstand&#8220; auf die Grenzen, die Fl\u00fcsse, die Z\u00e4une, die Grenzstationen blickte, bzw. fotografierte, befand ich mich vielleicht physisch in so einem \u00dcbergangsort und war doch genauso weit davon entfernt.<!--more--><\/p>\n<p>Ich bin ohnehin immer nur Westeurop\u00e4erin gewesen, habe immer Respekt vor dem &#8222;Eisernen Vorhang&#8220; gehabt und bin nun durch die politischen und territorialen Verschiebungen in Europa auch nur zur &#8222;Schengen-Europ\u00e4erin&#8220; geworden. Ich wollte mit meinem Projekt nicht bestimmen, was Europa bedeutet, wo es anf\u00e4ngt, wo es endet und dachte auch eine Zeitlang an den Titel &#8222;Europa und die T\u00fcrkei&#8220;, um einzuschliessen, dass es andererseits in diesem Fall keine festen Grenzen gibt und nahm damit auch Bezug auf eine noch nicht ausgestandene gr\u00f6\u00dfere Querele \u00fcber die Selbstdefinition der Europ\u00e4ischen Union. Der Rahmen erschien mir jedoch weiter zu eng und daraus wurde: &#8222;Europa, T\u00fcrkei und Israel&#8220;. Ich holte noch einmal meine Israelfotos von 1995 heraus. Ich erinnerte mich an eine kuriose Begebenheit an einem Kontrollpunkt. Wir waren mit dem Fahrrad unterwegs und schon direkt hinter Jerusalem, auf der Strasse zum Toten Meer durch Kontrollen gekommen, dann immer bergab gefahren und erst auf der Strecke am Toten Meer entlang sah man schon von weitem wieder die rot-weiss angemalten F\u00e4sser, Plastikbarrikaden und Stop-Schilder, die einen Kontrollpunkt ank\u00fcndigten. Die Stra\u00dfe wird auf nur eine Fahrbahn reduziert, so da\u00df Fahrzeuge wegen m\u00f6glichen Gegenverkehrs langsam fahren m\u00fcssen. Wahrscheinlich waren diese Art Kontrollpunkte mobil, denn hier war nur ein Zelt und eine Bretterbude mit Bank zum Unterstellen bei Regen oder Sonne aufgestellt. Auf dem Foto, das damals entstand, stehen vier Soldaten herum, eher gelangweilt und entspannt \u2013 Zigarette rauchend mit Sonnenbrillen und Maschinengewehren \u2013 scheinbar ohne gro\u00dfe Formvorschriften. Wie so oft wunderte man sich \u00fcber unsere Fahrradtour und machte sich ein bi\u00dfchen lustig \u2013 aber nichts desto trotz \u201eback to business\u201c: &#8222;Passport!?&#8220;<\/p>\n<p>Wir zeigten unsere P\u00e4sse und ich fragte sie, ob ich sie fotografieren k\u00f6nnte. Sie hatten nichts dagegen, schmissen sich ein bi\u00dfchen in Pose und machten weiter ihre Scherze. Ich machte zwei Fotos: der vorderste lacht, Arme in die H\u00fcften gest\u00fctzt, wirklich freundlich in die Kamera, der n\u00e4chste steht etwas unbeholfen daneben, die beiden anderen sitzen l\u00e4ssig auf der Lehne der Bank. Die Sonne scheint und sie werfen lange Schatten im Sand. Wir packten unsere P\u00e4sse wieder ein, dann meine Kamera und fuhren weiter. Es gibt oft nur wenige erkennbare \u00e4u\u00dferliche Unterschiede zwischen mir, wenn ich reise und Fotos mache und einem Touristen. Genau wie der Tourist, reise ich, um Bilder zu sammeln und diese Bilder sind sowohl objektiv und materiell wie Ansichtskarten, Schnappsch\u00fcsse und Videos, als auch subjektiv und immateriell wie Hoffnungen, Tr\u00e4ume und Visionen. Ich habe auch, wie viele Touristen eine vage Vorstellung von dem, was ich sehen werde, lasse es aber immer wieder auf die wirkliche Begegnung ankommen. In diesem Wort, Tourist, steckte dann auch ein Teil meines endg\u00fcltigen Titels: die Tour \u2013 und da ich immer wieder, ziemlich schnell, auch zum Ausgangspunkt zur\u00fcckkehrte, wurde daraus: Retour.<\/p>\n<p>Eine Reise hat immer auch eine Grenze. War die Entscheidung f\u00fcr ein Land, in das ich reisen wollte, gefallen, nahm ich sofort auch ein R\u00fcckflugticket, mietete vor Ort ein Auto und fuhr sieben bis zehn Tage durch vorher ungef\u00e4hr recherchierte Gebiete. Ich hatte jedesmal eine Digitalkamera dabei, einen Laptop, ein Stativ, eine Hasselblad. Abends im Hotel hie\u00df es dann stets Bilder von der Kamera auf den Computer zu \u00fcberspielen, zu sortieren und auf CD zu brennen. Wichtiges Kriterium bei der Zimmersuche war deshalb, ob ein Steckdose vorhanden war. Weiterhin war eine gute, nicht zu alte, Landkarte unentbehrlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Retour, Reportage Wurde ich gefragt, woran ich gerade arbeite, habe ich das Projekt immer etwas z\u00f6gernd mit &#8222;Europa&#8220; betitelt, und es folgten dann direkt die Einschr\u00e4nkungen, denn was sagt das Wort schon aus \u2013 selbst die m\u00f6gliche Einengung, die &#8222;Grenzen Europas&#8220; brachte nur wieder neue Einschr\u00e4nkungen mit sich. Was ich vorhatte, war fragmentarisch angelegt und ging auf eine subjektive Auswahl zur\u00fcck. Zwischendurch schien mir als Arbeitstitel &#8222;\u00dcbergangsorte in Europa&#8220; geeignet. 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