Athen 487, die Ausgeschlossenen, 2008
Die Ausstellung zeigt zweihundertsiebenundsiebzig Scherben. Die Scherben von Tassen, Tellern und kleinen Schüsseln – einmal als materielle Fundstücke in Vitrinen versammelt, dann als einzelne Fotografien ihrer Böden, sodass die aufgedruckte Marke sichtbar bleibt, bildhaft archiviert – stehen sinnbildlich im Zentrum der Arbeit als Verquickung von Geschichte, Zerstörung und Ausgeschlossensein. Die Porzellanscherben wurden auf dem Gelände der „Société Céramique“ in Maastricht kurz nach dem Abriss der Fabrikgebäude 1993 gefunden. Maastricht hatte Weiterlesen … more >
Projects and Footnotes, Skeptische Rekonstruktionen, 2006
Das Frontispiz der vorliegenden Rückschau auf das Werk von Doris Frohnapfel ab 1996 ist eine Aufnahme vom Entree der Villa Wittgenstein in Wien, die der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein 1925/26 für seine Schwester entworfen hat: Die Decke ziert eine Lampe in Form einer einfachen Glühbirne. Ohne weiteren Zierrat, der von ihrer Aufgabe ablenken könnte, ist diese schlichte Birne Quelle des Lichts und damit im metaphorischen Sinn auch der Erkenntnis, reduziert auf das Wesentliche, von derselben Klarheit im Dienst ihrer Funktion, wie sie Wittgenstein der Logik der Sprache in seinem „Tractatus logico-philosophicus“ nachzuweisen suchte: die vollkommene Identität von Bild und Begriff. Nach demselben Prinzip betitelt Frohnapfel die retrospektive Weiterlesen … more >
Projects and Footnotes, Sceptical Reconstructions, 2006
The frontispiece to the review of Doris Frohnapfel’s work since the year 1995 that you have before you now is a shot of the entrance to the Villa Wittgenstein in Vienna, designed by the philosopher of language Ludwig Wittgenstein for his sister in 1925/26. The ceiling is adorned by a lamp in the form of a simple light bulb. Without additional ornamentation, which could distract it from its task, this simple light bulb is the source of light. Thereby, in the metaphorical sense, it is also the realisation, reduced to essentials, of the same clarity in the service of its function as Wittgenstein sought to prove for the logic of language in his Tractatus Logico-Philosophicus: the total identity of image and concept.Weiterlesen … more >
LIGHT AND SHADE 2012
Die Serie Kasbah Algier von 2012 ist ein Teil des Projektes, das sich mit Recherchen im Mittelmeerraum beschäftigt. Ein Ansichtskartenmotiv der Kasbah von Algier, mit Pigmentmarker digital überarbeitet, ist ein Bestandteil der Fotoarbeit L’Etranger Le Corbusier (2009/12), die sich mit der Gleichzeitigkeit – 1942 – von Le Corbusiers letztem Plan directeur, einem Architekturprojekt für Algier und dem Erscheinen Albert Camus’ Roman Der Fremde beschäftigt. Die utopischen Pläne Le Corbusiers für Algier befassten sich auch mit der Kasbah von Algier, der Altstadt, d.h. demWeiterlesen … more >
PAPERWORK &
In einem Text, im Jahr 2009 verfasst für die Publikation Finanz Zeit* schreibt Holger Otten: „Anlass und Überlegung zu den Arbeiten Papier von Doris Frohnapfel waren historische Fotografien vom internationalen Börsenparkett. Hier ließen einst die Händler die Zettel ihrer Aktienverkäufe wahllos fallen, so dass sich der Boden im Laufe der Zeit je nach Börsenaktivität mal mehr und mal weniger füllte. Was im Sinne Marx abstrakt ist – der Wert hinter dem Papier – erscheint auf dem Parkett ganz gegenständlich. Was auf den Börsenfotos gegenständlich ist, wird in Frohnapfels Collagen und Fotogrammen wieder abstrakt. Die Künstlerin reinszenierte das Flattern der Zettel, fotografierte es, um schließlich nach dieser Vorlage neue Weiterlesen … more >
Randerscheinungen
[…] Die Vielzahl der Vorstellungen, die von Europa im Umlauf sind, drückt sich aus in einer Heterogenität der Motive. Die Aufnahmen von Doris Frohnapfel werden nur zusammengehalten durch die sachlichen Vermerke, die ihnen einen Platz zuweisen bei der Befestigung eines europäischen Raumes. Manche Bilder sehen aus wie arglose Landschaftsaufnahmen, etwa in Finnland, wo der See Inari die Trennung zu Russland ausfüllt: ein winterliches Panorama mit kargen Bäumen und Schnee. Andere Bilder wirken wie Monumente einer Vergangenheit, die der Zeit überlassen sind, weil sie für die Aktualität an Interesse verloren haben. Eingefallene Grenzzäune, verwitterte Schilder, verrostete Lampen stehen im einstigen Niemandsland vor dem bulgarischen Sozopol. Früher begann hinter dem Wasser der türkische Westen, heute wartet dort lediglich ein weiterer EU-Beitrittskandidat-Kandidat auf seine Aufnahme.Weiterlesen … more >
Border Horizons“, 2003-2005, DVD Slide-Show, 60 mins.
The (digital) slide projection comprises 278 pictures of border architecture and landscapes, which the photographer Doris Frohnapfel has selected from a collection of more than 5000 photographs. Frohnapfel’s view on border architecture is markedly unspectacular. In contrast to the euphoria for a Brussel’s Europe, the photographs portray the dreariness of frontier spaces, without specifying the locations: mostly deserted marks made of concrete, fences or bars, bare fields, meadows, straits or miles long truck queues. Over a couple of years time, Doris Frohnapfel has photographed international borders, mostly exterior borders of the European Union and Schengen borders. The pictures range from Istanbul and Ceuta as the southern-most spots to Raja-Jooseppi, one of the nothernmost posts between Finland and Russia. SheWeiterlesen … more >
Kryssing av spor
Doris Frohnapfels Border-Horizon byr på utstillingens mest tydelig politiske verk. Arbeidet består av en serie fotografier fra forskjellige europeiske grenseområder. Ved å vise andre grenseområder enn de store, offisielle overgangene der masseturismen strømmer fritt, og hvor man høytidelig og forventningsfullt forlater ett land og entrer et annet, gjør Frohnapfel oss oppmerksom på de rettlinjede grensenes grunnleggende tilfeldighet. Selv om Europa ikke har så mange linjalrette landegrenser som det afrikanske kontinentet, så finnes det også her eksempler på at grensene ikke nødvendigvis avspeiler sosial tilknytning på en tilfredsstillende måte. Billedseriene er montert i lange rader med en oversikt over de enkelte motivene i den ene enden. Dermed blir man tvunget til å bevege seg frem og tilbake for å sjekke bilde mot tekst, som en enkel men effektiv påminnelse om misforholdet mellom kart og terreng, teori og erfaring. … more >
Border Horizons
Retour, Reportage If asked what I am currently working on, I have always somewhat hesitantly entitled the project “Europe” – and then immediately the qualifications followed. For what does the word really express? The potential limit itself, the “borders of Europe”, only brought with it new restrictions. What I planned was compiled in a fragmentary way and went back to a subjective selection. Meanwhile, “Places of Transition in Europe” seemed to me to be a suitable working title. However, since, after a few trips, I had (almost) never actually crossed the borders, but instead had always either gazed at or photographed respectively the frontiers, rivers, fences and border stations from what I called the safe ‘distance of Schengen’, I found myself perhaps physically in such a transitional place whilst being nevertheless precisely just as far away from it.Weiterlesen … more >
Border Horizons
Retour, Reportage Wurde ich gefragt, woran ich gerade arbeite, habe ich das Projekt immer etwas zögernd mit „Europa“ betitelt, und es folgten dann direkt die Einschränkungen, denn was sagt das Wort schon aus – selbst die mögliche Einengung, die „Grenzen Europas“ brachte nur wieder neue Einschränkungen mit sich. Was ich vorhatte, war fragmentarisch angelegt und ging auf eine subjektive Auswahl zurück. Zwischendurch schien mir als Arbeitstitel „Übergangsorte in Europa“ geeignet. Da ich aber, nach ein paar Reisen, die Grenzen (fast) nie tatsächlich überschritten habe, sondern immer aus sicherem, wie ich das dann nannte, „Schengen-Abstand“ auf die Grenzen, die Flüsse, die Zäune, die Grenzstationen blickte, bzw. fotografierte, befand ich mich vielleicht physisch in so einem Übergangsort und war doch genauso weit davon entfernt.Weiterlesen … more >