Corpus, 1994

Eight B/W gelatine silver prints, 50.5 x 38.5 cm in linen bound photo book, 60 x 53 cm, Edition of 7

Exterieur, 1992

Twelve photo-text-works, B/W gelatine silver prints, 60 x 80 each, together: 120 x 480 cm.

Rückweg und Pause, Galerie b2_ 3.7.-31.7.2021, Leipzig

Vielleicht haben Sie Zeit und Lust, sich mit meinen Gedanken zu den Arbeiten zu befassen, die ich in der Ausstellung Rückweg und Pause in der Leipziger Galerie b2_ zeige. In einem kurzen Rundgang möchte ich meine Überlegungen hier skizzieren. Die Künstlerbücher und Publikationen am Eingang begleiten seit 1994 meine Theorie und Praxis. Sie werden zusammen mit zwei Neuerscheinungen, Photogenic-, Work- and B-Sites und Autobiografisch 1/2 (beide 2021) – Aufarbeitungen zurückliegender Projekte in Beirut, Köln, Berlin, Neapel und Rom – in einem selbstentworfenen Regal zur Ansicht und Lektüre präsentiert. Beim Betreten des b2_-Raums fällt der Blick geradeaus auf die Wand mit einem bodenlangen weißen Gardinenstoff, der auf ganzer Breite durch aufgenähte Schnüre strukturiert ist und auf dem ein kleiner Monitor ein Video abspielt. Diese Arbeit, Rückweg und Pause, die der Ausstellung den Titel gibt, entstand während der Pandemie unter dem Arbeitstitel Endloser Faden in Heim-/Handarbeit. Das Video zeigt ein Splitscreen-Format aus Fullscreen mit zwei rechts und links montierten kleineren Screens. Darin wird in Parallelmontage die Zerlegung von sechs verschiedenen Elektronikschnüren – Hilfsmitteln der medialen Arbeit und globalen Kommunikation – gezeigt. Die Metall- und Plastikfäden des Kabelkerns werden manuell aus ihrer Ummantelung gelöst. Dies ist überraschenderweise spannend – wer kennt schon das Innenleben von Antennen-, Firewire- oder Glasfaserkabeln? – und irritiert zugleich als Sisyphosarbeit. So bezeichnet der Titel Rückweg und Pause die Situation, wenn Sisyphos den Berg wieder hinuntergehen muss – für Albert Camus die Stunde des Aufatmens und des Bewusstseins inmitten einer endlosen Qual. Dieser Grenzbereich zwischen Knechtschaft und Befreiung fungiert als narrative Folie der gesamten Ausstellung. Die demontierten Kabel dienen als Material, mit dem ich auf dem Vorhangstoff die Weltkarte der Unterseekabel veranschauliche. Die Kabel wurden per Hand aufgenäht und entlang der Routen fixiert. Die Karte zeigt Dinge, die objektiv bekannt sind und hier subjektiv formuliert werden. Das Video läuft auf einem alten Monitor, den ich auf ein noch älteres Schreiner-Werkstück montiert habe, das ehemals als Klappe des Radio- und Plattenspielerfaches im Wohnzimmerschrank meiner Eltern diente. Die Notwendigkeit von Recycling ist allgemein bekannt. Die Arbeit verweist auf den Kontrast zwischen einer vermeintlich unsichtbaren Super-IKT-Infrastruktur aus Metaplattformen, Rechenzentren und Unterseekabeln (es … more >

Where When What Why, 8.6.2014

Doris Frohnapfel, in: WHERE WHEN WHAT WHY, Texte von Doris Frohnapfel und Babette Richter, 80 Seiten, Dt./ Engl., RpB Verlag, Galerie M29 Richter Brückner, Köln 2015, ISBN 978-3-9808554-9-5 »What has led the building upward is human will; what gives it its present appearance is the brute, downward dragging, corroding, crumbling power of nature«1.We no longer consider ruins to be a product of natural forces, as was the case in the Romantic period. Ruins have since lost their aesthetic sense. Because ruins are also well-known monumental buildings destroyed by war – St. Albans Church in Cologne, the Kaiser Wilhelm Memorial Church in Berlin, the Frauenkirche in Dresden, the Darul Aman Palace in Kabul, the Ludendorff Bridge at Remagen, the Holiday Inn in Beirut – and entire villages that have disappeared at the bottom of hydroelectric dams or been cleared for the mining of natural resources. The sight of these is not majestic, but usually unsettling. They are only fragments of a much larger destruction. A destruction that has wiped out cities and above all people. Strategists prepare a scene of devastation, others try to convey the resulting traumatisation. Strategy, calculation, method, speculation set the residents in a state of shock and panic. The sight of a destroyed, abandoned house awakens memories; but they are no longer romantic, even though they relate to the past, they are now only sad and no longer tragic. The smaller the abandoned and now derelict houses are, the less the consternation. The dust that develops when a house or building is destroyed or decays, creates a temporary dust cover over history. Photogenic drawings2 can be seen briefly, rich in detail, where light separates the shadow from dust cloche. I momentarily stand in front of proportions that don’t blast the scale and my identity is briefly divided between memories of cellar, stairs, window, attic and displacement. Wind and sun quickly dispel this sensitivity. Photography accelerates the process of forgetting, it documents, archives, preserves. I walk on, as long as it is light. Only during the day, is reflection measured against reality. At the same time, the noise of … more >

WHERE WHEN WHAT WHY, 8.6.2014

Doris Frohnapfel, in: WHERE WHEN WHAT WHY, Texte von Doris Frohnapfel und Babette Richter, 80 Seiten, Dt./ Engl., RpB Verlag, Galerie M29 Richter Brückner, Köln 2015, ISBN 978-3-9808554-9-5 »Was den Bau nach oben geführt hat, ist der menschliche Wille, was ihm sein jetziges Aussehen gibt, ist die mechanische, nach unten ziehende, zernagende und zertrümmernde Naturgewalt«. Ruinen betrachten wir nicht mehr, wie in der Romantik empfunden, als durch Naturgewalten entstanden. Ruinen haben seit damals ihren ästhetischen Sinn verloren. Denn Ruinen sind auch die vom Krieg zerstörten bekannten monumentalen Gebäude, St. Alban in Köln, die Gedächtniskirche in Berlin, die Frauenkirche in Dresden, der Darul-Aman-Palast in Kabul, die Brückenköpfe von Remagen, das Holiday Inn in Beirut, und ganze Dörfer sind auf dem Grund einer Talsperre verschwunden und durch den Abbau von Bodenschätzen beseitigt worden. Deren Anschauung ist nicht erhaben, sie ist mindestens verstörend. Es sind auch nur Bruchstücke einer viel größeren Zertrümmerung. Sie hat Städte und vor allem Menschen ausgelöscht. Strategen bereiten ein Trümmerfeld, andere versuchen die entstandene Traumatisierung zu vermitteln. Berechnung, Kalkül, Methode, Spekulation versetzen die Bewohner der Gebäude in Schock und Panik. Der Anblick eines zerstörten, verlassenen Hauses löst Erinnerungen aus; diese sind aber nicht romantisch, auch wenn sie auf Vergangenes verweisen, sie sind jetzt nur noch traurig und nicht mehr tragisch. Je kleiner die Häuser, die verlassen werden mussten und verfallen, desto unscheinbarer die Betroffenheit. Der Staub, der bei der Zerstörung und dem Verfall von Häusern und Gebäuden entsteht, schafft für kurze Zeit eine Staubglocke über der Geschichte. Kurz sind darin fotogenische Zeichnungen zu sehen, detailreich, wo sich der Schatten durch Licht vom Staub trennt. Für einen Moment stehe ich vor den Maßstab nicht sprengenden Größenverhältnissen, und einen Augenblick dauert eine Identitätsspaltung zwischen der Erinnerung an Keller, Treppen, Fenster, Speicher und der Vertreibung an. Wind und Sonne verdrängen die Empfindlichkeit schnell. Die Fotografie beschleunigt das Vergessen, sie dokumentiert, archiviert, konserviert. Ich gehe weiter, solange es noch hell ist. Nur tagsüber gibt es eine an der Realität gemessene Reflexion. Gleichzeitig überblendet der Lärm auf den Baustellen und das Getöse auf den Straßen das Bewusstsein. Die Fotografie löst Effekte für den Wachzustand … more >

WHERE WHEN WHAT WHY

Babette Richter, WHERE WHEN WHAT WHY, 80 Seiten, Dt./ Engl., RpB Verlag, Galerie M29 Richter Brückner, Köln 2015, ISBN 978-3-9808554-9-5 Later Frohnapfel continued her travels, explored the Mediterranean region, searched for reference points and forged connections between history, culture and fiction. In 2012 and 2014 her voyage took her to Lebanon. She visited Beirut and stayed there for several months while taking part in an art exchange project. Here, too, heterogeneous research investigations were the starting point of her journey. She used documentations, archives, film and literature to get a feel for the country and its history. In Beirut she photographed a series of bomb-gutted houses she had searched out in the gaps and neglected small corners within the city: leftover, abandoned, useless remains of structures in a metropolis gripped by a fever of redevelopment. Her photos not only capture the loss of old values, of the splendid elegance of historical houses or relate the sadness felt at suffering and death – but also directly depict the deserted battle site that remains visible in its desolation and forlornness. Here the rubble stands for senselessness and disillusion, for something that is without form or history, for chaos. Structure, construction and harmonious forms are negated, the houses stand there like impassive bodies, lifeless and torn open. Doris Frohnapfel looks for her subject in ordinary, unheeded places. Her – figuratively speaking – archaeological finds, the shards and fragments which later gain a clearly discernible different value when cast in bronze, are found at filled hills, demolition dumps and rubbish piles, at so-called forgotten, unstable (un-)places, where we are less likely to come across treasures, encountering instead undefined things, pieces which have gotten there by accident, seemingly pointless and broken, and are buried there as the vague, incidental parts of history. … more >

WHERE WHEN WHAT WHY

Frohnapfel setzte später ihre Reisen fort, erkundete den Mittelmeerraum, suchte dort nach Bezügen und knüpfte Verbindungen zwischen Geschichte, Kultur und Fiktion.
2012 und 2014 führte sie ihre Reise in den Libanon. Sie besuchte Beirut und hielt sich dort anlässlich eines Kunstaustauschprojekts über mehrere Monate auf. Auch hier waren heterogene Recherchen der Ausgangspunkt ihrer Reise. Sie nutzte Dokumentationen, Archive, Film und Literatur, um sich dem Land und seiner Geschichte anzunähern.
In Beirut fotografierte sie eine Serie von zerbombten Stadthäusern, die sie in Zwischenräumen und an

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THE RETURN OF INVESTMENT

For the OpenSpace exhibition project “The Return of Investment” Doris Frohnapfel engages with the history of mentality of the capital. At last the artist was concerned with symbols of the abstract relationship between the capital and the ware (in the exhibition “Papier” – Galerie M29, 2009) – as once they appeared in the interior space or better interior life of the (New York) stock exchange. Now Frohnapfel turns towards the surrounding area of the Wall Street. She lays open historically grown “shifts“ of the context of trafficking in money and persons. At the beginning of the 18th century a prosperous slave market established on WallSteet. The perfidy relationship between capital and corpus as well as its disguise by the abstract terms of the modern financial system – just imagine the term „human capital“ – substantiate in the historical shifts on site. So Frohnapfels „archeological artefacts“ become absolutely current. … more >

THE RETURN OF INVESTMENT

Für das Ausstellungsprojekt “The Return of Investment” im OpenSpace beschäftigt sich Doris Frohnapfel mit der Mentalitätsgeschichte des Kapitals. Während sich die Künstlerin zuletzt mit Sinnbildern des abstrakten Verhältnisses zwischen Kapital und Ware befasste, wie sie einst im Innenraum oder besser im Innenleben der (New Yorker) Börse in Erscheinung traten (Papier, Galerie M29, 2009), wendet sie sich nun der näheren Umgebung der Wall Street zu. Frohnapfel legt historisch gewachsene ”Schichten“ aus dem Zusammenhang von Geld- und Menschenhandel frei. Das perfide Verhältnis von Kapital und Körper sowie dessen Verschleierung durch die Abstrakta des modernen Finanzwesens – zu denken sei z.B. an die Vokabel des ”Humankapitals” – konkretisiert sich in den historischen Schichten vor Ort. So geraten Frohnapfels ”archäologischen Artefakte” bemerkenswert aktuell.

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MENGEN UND TEILE

[…] Mit der subtil-anarchischen, aber höchst präzisen Dekonstruktion wissenschaftlicher Verfahren hat Doris Frohnapfel ihr halb reales, halb fiktives Grabungsprojekt in der Ausstellung im KERAMION Frechen fortgesetzt und um einige Komponenten weiter ausgebaut. Dabei spielt nicht nur die in Archäologie und Kunstgeschichte am Ende des 19. Jahrhunderts eingeführte Methode des „vergleichenden Sehens“ eine wichtige Rolle, sondern auch die in den Wissenschaften relevante Praxis des Bezeichnens und Messens. In der Ausstellung finden sich sieben Aluminiumtabletts, die auf dem Boden so arrangiert sind, dass sie mit den Maßen 59 x 89 Zentimeter jeweils eine Fliese bedecken; in diesen Bodenvitrinen sind die unterschiedlichen Scherben übersichtlich, aber in unregelmäßiger Verteilung gruppiert. Es handelt sich dabei um eine Auswahl von Scherben aus dem Depot des KERAMION, wo ergrabene Scherben und Fundstücke aus der regionalen

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OLD AND NEW HOUSES

The single pieces and the wall installation „Old and new houses“ is inspired by the architecture of Ilulissat, the third biggest town in Greenland with some thousands inhabitants and some thousands sledge dogs. Houses are build where ever people settle. Also here; and with more commodities within larger conglomerations also in Greenland people move from the very remote sites. Than, old houses are enlarged or they build and move to new houses because todays needs are connected to larger rooms and spaces. Single houses in Ilulissat are build as

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Athen 487, the Excluded, 2008

The exhibition shows two-hundred-seventy-seven shards. The shards of cups, plates and bowls, collected as small physical artefacts gathered in showcases and pictured and archived as individual photographs of their bottom side, so that the printed mark of the factory label remains visible, are placed symbolically at the center of the work as an amalgamation of history, destruction and exclusion.
The porcelain pieces were found on the site of the Société Céramique in Maastricht shortly after the demolition of the factory buildings in 1993. Maastricht had an

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Athen 487, die Ausgeschlossenen, 2008

Die Ausstellung zeigt zweihundertsiebenundsiebzig Scherben. Die Scherben von Tassen, Tellern und kleinen Schüsseln – einmal als materielle Fundstücke in Vitrinen versammelt, dann als einzelne Fotografien ihrer Böden, sodass die aufgedruckte Marke sichtbar bleibt, bildhaft archiviert – stehen sinnbildlich im Zentrum der Arbeit als Verquickung von Geschichte, Zerstörung und Ausgeschlossensein.
Die Porzellanscherben wurden auf dem Gelände der „Société Céramique“ in Maastricht kurz nach dem Abriss der Fabrikgebäude 1993 gefunden. Maastricht hatte

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Projects and Footnotes, Skeptische Rekonstruktionen, 2006

Das Frontispiz der vorliegenden Rückschau auf das Werk von Doris Frohnapfel ab 1996 ist eine Aufnahme vom Entree der Villa Wittgenstein in Wien, die der Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein 1925/26 für seine Schwester entworfen hat: Die Decke ziert eine Lampe in Form einer einfachen Glühbirne. Ohne weiteren Zierrat, der von ihrer Aufgabe ablenken könnte, ist diese schlichte Birne Quelle des Lichts und damit im metaphorischen Sinn auch der Erkenntnis, reduziert auf das Wesentliche, von derselben Klarheit im Dienst ihrer Funktion, wie sie Wittgenstein der Logik der Sprache in seinem „Tractatus logico-philosophicus“ nachzuweisen suchte: die vollkommene Identität von Bild und Begriff. Nach demselben Prinzip betitelt Frohnapfel die retrospektive

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Projects and Footnotes, Sceptical Reconstructions, 2006

The frontispiece to the review of Doris Frohnapfel’s work since the year 1995 that you have before you now is a shot of the entrance to the Villa Wittgenstein in Vienna, designed by the philosopher of language Ludwig Wittgenstein for his sister in 1925/26. The ceiling is adorned by a lamp in the form of a simple light bulb. Without additional ornamentation, which could distract it from its task, this simple light bulb is the source of light. Thereby, in the metaphorical sense, it is also the realisation, reduced to essentials, of the same clarity in the service of its function as Wittgenstein sought to prove for the logic of language in his Tractatus Logico-Philosophicus: the total identity of image and concept.

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LIGHT AND SHADE 2012

Die Serie Kasbah Algier von 2012 ist ein Teil des Projektes, das sich mit Recherchen im Mittelmeerraum beschäftigt. Ein Ansichtskartenmotiv der Kasbah von Algier, mit Pigmentmarker digital überarbeitet, ist ein Bestandteil der Fotoarbeit L’Etranger Le Corbusier (2009/12), die sich mit der Gleichzeitigkeit – 1942 – von Le Corbusiers letztem Plan directeur, einem Architekturprojekt für Algier und dem Erscheinen Albert Camus’ Roman Der Fremde beschäftigt. Die utopischen Pläne Le Corbusiers für Algier befassten sich auch mit der Kasbah von Algier, der Altstadt, d.h. dem

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PAPERWORK &

In einem Text, im Jahr 2009 verfasst für die Publikation Finanz Zeit* schreibt Holger Otten: „Anlass und Überlegung zu den Arbeiten Papier von Doris Frohnapfel waren historische Fotografien vom internationalen Börsenparkett. Hier ließen einst die Händler die Zettel ihrer Aktienverkäufe wahllos fallen, so dass sich der Boden im Laufe der Zeit je nach Börsenaktivität mal mehr und mal weniger füllte. Was im Sinne Marx abstrakt ist – der Wert hinter dem Papier – erscheint auf dem Parkett ganz gegenständlich. Was auf den Börsenfotos gegenständlich ist, wird in Frohnapfels Collagen und Fotogrammen wieder abstrakt. Die Künstlerin reinszenierte das Flattern der Zettel, fotografierte es, um schließlich nach dieser Vorlage neue

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Randerscheinungen

[…] Die Vielzahl der Vorstellungen, die von Europa im Umlauf sind, drückt sich aus in einer Heterogenität der Motive. Die Aufnahmen von Doris Frohnapfel werden nur zusammengehalten durch die sachlichen Vermerke, die ihnen einen Platz zuweisen bei der Befestigung eines europäischen Raumes. Manche Bilder sehen aus wie arglose Landschaftsaufnahmen, etwa in Finnland, wo der See Inari die Trennung zu Russland ausfüllt: ein winterliches Panorama mit kargen Bäumen und Schnee. Andere Bilder wirken wie Monumente einer Vergangenheit, die der Zeit überlassen sind, weil sie für die Aktualität an Interesse verloren haben. Eingefallene Grenzzäune, verwitterte Schilder, verrostete Lampen stehen im einstigen Niemandsland vor dem bulgarischen Sozopol. Früher begann hinter dem Wasser der türkische Westen, heute wartet dort lediglich ein weiterer EU-Beitrittskandidat-Kandidat auf seine Aufnahme.

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