Frohnapfel setzte später ihre Reisen fort, erkundete den Mittelmeerraum, suchte dort nach Bezügen und knüpfte Verbindungen zwischen Geschichte, Kultur und Fiktion.
2012 und 2014 führte sie ihre Reise in den Libanon. Sie besuchte Beirut und hielt sich dort anlässlich eines Kunstaustauschprojekts über mehrere Monate auf. Auch hier waren heterogene Recherchen der Ausgangspunkt ihrer Reise. Sie nutzte Dokumentationen, Archive, Film und Literatur, um sich dem Land und seiner Geschichte anzunähern.
In Beirut fotografierte sie eine Serie von zerbombten Stadthäusern, die sie in Zwischenräumen und an
Rückweg und Pause, Galerie b2_ 3.7.-31.7.2021, Leipzig
Vielleicht haben Sie Zeit und Lust, sich mit meinen Gedanken zu den Arbeiten zu befassen, die ich in der Ausstellung Rückweg und Pause in der Leipziger Galerie b2_ zeige. In einem kurzen Rundgang möchte ich meine Überlegungen hier skizzieren. Die Künstlerbücher und Publikationen am Eingang begleiten seit 1994 meine Theorie und Praxis. Sie werden zusammen mit zwei Neuerscheinungen, Photogenic-, Work- and B-Sites und Autobiografisch 1/2 (beide 2021) – Aufarbeitungen zurückliegender Projekte in Beirut, Köln, Berlin, Neapel und Rom – in einem selbstentworfenen Regal zur Ansicht und Lektüre präsentiert. Beim Betreten des b2_-Raums fällt der Blick geradeaus auf die Wand mit einem bodenlangen weißen Gardinenstoff, der auf ganzer Breite durch aufgenähte Schnüre strukturiert ist und auf dem ein kleiner Monitor ein Video abspielt. Diese Arbeit, Rückweg und Pause, die der Ausstellung den Titel gibt, entstand während der Pandemie unter dem Arbeitstitel Endloser Faden in Heim-/Handarbeit. Das Video zeigt ein Splitscreen-Format aus Fullscreen mit zwei rechts und links montierten kleineren Screens. Darin wird in Parallelmontage die Zerlegung von sechs verschiedenen Elektronikschnüren – Hilfsmitteln der medialen Arbeit und globalen Kommunikation – gezeigt. Die Metall- und Plastikfäden des Kabelkerns werden manuell aus ihrer Ummantelung gelöst. Dies ist überraschenderweise spannend – wer kennt schon das Innenleben von Antennen-, Firewire- oder Glasfaserkabeln? – und irritiert zugleich als Sisyphosarbeit. So bezeichnet der Titel Rückweg und Pause die Situation, wenn Sisyphos den Berg wieder hinuntergehen muss – für Albert Camus die Stunde des Aufatmens und des Bewusstseins inmitten einer endlosen Qual. Dieser Grenzbereich zwischen Knechtschaft und Befreiung fungiert als narrative Folie der gesamten Ausstellung. Die demontierten Kabel dienen als Material, mit dem ich auf dem Vorhangstoff die Weltkarte der Unterseekabel veranschauliche. Die Kabel wurden per Hand aufgenäht und entlang der Routen fixiert. Die Karte zeigt Dinge, die objektiv bekannt sind und hier subjektiv formuliert werden. Das Video läuft auf einem alten Monitor, den ich auf ein noch älteres Schreiner-Werkstück montiert habe, das ehemals als Klappe des Radio- und Plattenspielerfaches im Wohnzimmerschrank meiner Eltern diente. Die Notwendigkeit von Recycling ist allgemein bekannt. Die Arbeit verweist auf den Kontrast zwischen einer vermeintlich unsichtbaren Super-IKT-Infrastruktur aus Metaplattformen, Rechenzentren und Unterseekabeln (es … more >